Westfälische Rundschau 05.08.2009
Christian Chmel

Auch zum Geburtstag keine leeren Bäuche
Tafeln in Huckarde und Dorstfeld

Rund 3500 Menschen im Stadtgebiet, meist Bezieher von Hartz IV, sind Inhaber eines Ausweises, der sie zum Einkauf bei der Dortmunder Tafel berechtigt - weil sie sich Lebensmittel sonst nicht leisten könnten.
Die beiden Filialen im Dortmunder Westen feiern diese Woche Geburtstag: in Huckarde und Dorstfeld.



Die Tafel in Huckarde besteht seit genau vier Jahren – als eine von acht Filialen in Dortmund. Einmal die Woche, freitags von 12 bis 14 Uhr, können Bedürftige im Gemeindesaal der St. Urbanus-Kirche (Am Dieckhof 6) Lebensmittel einkaufen. Für zwei Euro erhalten hier vornehmlich Empfänger von ALG II eine Kiste mit Lebensmitteln. Die hilft ihnen, über die Runden zu kommen – gestaffelt in die Kategorien 1 bis 3, 4 bis 6 sowie 7 und mehr Personen. Das bedeutet: Die Tafel hilft stadtweit nicht nur den 3500 Ausweisinhabern, sondern auch ihren Familien – und damit rund 10 000 Personen, die vor allem am Monatsende sonst nichts mehr im Kühlschrank hätten.

Unter ihnen: viele Alleinerziehende, auch Alte mit kleinen Renten. In Huckarde waren im April 177 Personen registriert. Tendenz seit 2005: konstant. Der jüngste Kunde ist unter 20, der älteste 86 Jahre alt. Der Großteil: mittleres Alter, 40 aufwärts. „Traurig finde ich, wenn 80-jährige Frauen zu uns kommen müssen, weil die Witwenrente nicht reicht. Das sind doch diejenigen, die das Land nach dem Krieg mit aufgebaut haben”, sagt Gabriele Norahim. Sie leitet die Arbeit der Tafel in Huckarde ehrenamtlich – in Absprache mit Pfarrer Michael Ortwald, koordiniert mit der Zentrale in der City. Von dort aus werden die Lebensmittel mit ablaufendem Haltbarkeitsdatum auch angeliefert, nachdem sie zuvor von Supermärkten zur Verfügung gestellt wurden. Die Suche nach Sponsoren, die Koordination, damit stets genügend Lebensmittel vorhanden sind, gleichen einem Kampf.

Der 60-Jährigen stehen 27 ehrenamtliche Helfer zur Verfügung, die freitags ab 10 Uhr bei Warenannahme, Aufbau und Verkauf anpacken. Darunter sind auch drei Menschen, die selbst bei der Tafel einkaufen müssen und mit ihrer Arbeit etwas zurückgeben möchten. „Die meisten unserer Kunden sind dankbar”, so Norahim. Es gebe eine gewisse Fluktuation, aber viele Hilfebedürftige sieht sie seit langem wöchentlich – seit Beginn ihrer Arbeit 2005, damals noch nicht als Leiterin.

„Ich kenne jeden mit Namen, und da wird natürlich auch schon mal über private Dinge gesprochen, wenn die Kunden in der Schlange warten.” Dass manche von ihnen auch Schwierigkeiten hätten, die staatlichen Sozialleistungen richtig einzuteilen, will sie nicht ausschließen. Aber viele Lebensgeschichten, gerade die Situation von Alleinerziehenden, könne sie nachvollziehen. „Mit einer Alkoholfahne kommt hier jedenfalls fast keiner”, betont Norahim.

Ähnliche Erfahrungen hat Norbert Wiepning gemacht, der die Tafel-Filiale in Dorstfeld leitet – seit genau einem Jahr, derzeit unterstützt von 34 Helfern, in enger Abstimmung mit Pfarrer Thomas Weckener. Hier sind es 153 registrierte Kunden, die immer dienstags von 15.30 bis 17 Uhr im Elias-Gemeindesaal (Fine Frau 10) günstig Lebensmittel einkaufen können. 115 Hilfebedürftige nutzen diese Möglichkeit im Schnitt – für sich und ihre Familien. Was Filialleiter Wiepning betont: „Es sind 165 Kinder, die von der Warenausgabe profitieren.” Und: „Zu uns kommen auch Menschen mit Minimalverdienst, die von ihrer Arbeit nicht leben können.”