Ruhrnachrichten, 31.07.2009

Mehr Menschen helfen
Bedarfsanalyse der Dortmunder Tafel

Deutlich mehr Menschen benötigen die Hilfe der Dortmunder Tafel, als dort bisher angemeldet sind. Das glaubt zumindest die Tafel selbst. Um Gewissheit zu erlangen, startet sie jetzt einen Aufruf.


"Wir möchten die Lebensmittel, die uns zur Verfügung gestellt werden, an mehr notleidende Menschen verteilen", sagt der erste Vorsitzende Rüdiger Teepe.
Das sei dringend notwendig, denn die Tafel gehe davon aus, dass die Gruppe der Bedüruftigen weitaus größer ist als die, die bisher Hilfsangebote der Tafel nutzen: "Ich schätze, dass der Bedarf um das Zehnfache höher ist", sagt Ludger Drebber, zweiter Vorsitzender.

 

Deswegen ruft die Tafel nun vom 3. bis zum 28. August alle Menschen auf, die Interesse an den Hilfsangeboten haben, sich bei ihnen zu melden. Berechtigt sind Arbeitslosengeld II und Sozialhilfe-Empfänger sowie Menschen, deren Einkommen oder Rente den Hartz IV-Satz nicht überschreitet. "Wer sich angesprochen fühlt, kommt einfach mit Ausweis und Einkommensnachweis zu uns", so Drebber. Dies sei jedoch keine Anmeldung für einen Berechtigungsausweis, sondern diene ausschließlich der Datenerhebung.

Die Idee kam uns, als wir die neue Filiale in Scharnhorst aufgemacht haben und das Interesse sehr groß war", so Drebber. "Wir mussten sogar Menschen abweisen - das kann einfach nicht sein."

Für den Fall, dass sich nun tatsächlich viele Menschen melden, hat die Tafel bereits mehrere Konzepte im Hinterkopf: Bisher dürfen sich die Menschen ein Mal in der Woche Lebensmittel abholen. "Das könnten wir künftig auf einen 14-tägigen Rhythmus reduzieren."
Ein anderes Modell sieht vor, die Lebensmittel pro Kopf - im Schnitt zwölf Kilogramm - zu verringern. "Die Lebensmittel-Spenden werden sich nicht von heute auf morgen verdoppeln - wir müssen also mit dem arbeiten, was wir haben", so Teepe. Die Hoffnung auf neue Wohltäter sei dennoch da.
Das sind bisher aber nur Gedankenmodelle. Erst müssen die Zahlen auf dem Tisch liegen, dann beginnen die konkreten Planungen.