Ruhrnachrichten, 18.07.09
Ulrike Böhm-Heffels
Tafel-Freuden
Manfred Wiesenthal engagiert sich für den mildtätigen Verein
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Einem Freund kann man keine Bitte abschlagen. Als Rüdiger Teepe zum Hörer griff und ihn anrief, war alles klar: "Wir brauchen sieben Mitglieder, um einen Verein zu gründen. Du bist doch sicher dabei." Ein Mann, ein Wort.
2004 ist die Armut inn der Stadt nicht mehr zu übersehen, landauf, landab gibt's längst Tafeln, nur in Dortmund kommt eine Initiative nicht richtig in die Pötte. Da krempelt Rechtsanwalt Rüdiger Teepe die Ärmel hoch und setzt eine unglaubliche Erfolgsgeschichte in die Welt. Am Tag der Eröffnung von Dortmunds erster Tafel in der Haydnstraße 45/47 biegt Mitglied Wiesenthal gerade in den Hof ab, als Freund Rüdiger ein Fenster öffnet, auf den ersten Lieferwagen deutet, einen Renault Transporter, und ruft: "Das ist jetzt Deiner."
Drei Jahre kutschiert Wiesenthal, der frühere Banker bei der WestLB, kreuz und quer durch die Stadt, mutiert zum Hochstapler - von Kisten aller Gönner Lager, fährt zu Rewe, Edeka, Lidl, zum Doego-Fruchthandel und Import. Er pendelt zwischen den Armenhilfen GastHaus, Bahnhofsmission und vielen anderen Partner-Einrichtungen des mildtätigen Vereins. Ab 6 Uhr ist er unterwegs. Wenn er dann schon an einem Lindwurm der Wartenden vorbeifährt, die anstehen, Stunden vor der Öffnung der Tafel, ist der Mann, der selbst ein finanziell sorgenfreies Leben führen darfm ziemlich deprimiert. Wie kann dies sein, in einem reichen Land wie Deutschland?
Längst birgt sein Ehrenamt echtes Suchtpotential in sich: "Man bekommt deutlich mehr zurück. Für die meisten sind wir DIE soziale Kontaktstelle."
Vor zwei Jahren war Schluss mit Gasgeben. Ein Sportunfall zwang den heute 69-jährigen raus aus dem Transporter und hinein in die Pforte von der neuen Tafel-Zentrale an der Osterlandwehr. Statt 120 Kisten am Tag zu schleppen, begrüßt Wiesenthal jetzt mindestens 50 Ankömmlinge.
Neben den ehrenamtlichen Mitarbeitern für Laden, Lager, Fahrdienst, Pforte und Ehrenamt, fast 450 an der Zahl, leisten fast drei Dutzend Menschen ihre Sozialstunden bei der Tafel ab: "Die meisten haben sie wohl wegen Schwarzfahrens aufgebrummt bekommen. Das erzählen sie wenigstens." Einmal war eine junge Frau darunter mit nur wenigen Sozialstunden. Sie hatte ihren Mann verprügelt.
Deeskalierend muss der frühere Leiter vom Kassenservice-Center der WestLB auf enttäuschte Antragsteller einwirken, die auszurasten drohen. Viele stehen umsonst für die schnell vergriffenen Tafelausweise an. Die Not ist groß vor Ort. Viel zur groß.





