Westfälische Rundschau,
27. November 2010, Christina Römer
Bei der Tafel lernen Arbeitslosengeld-II-Bezieher Haushaltsmanagement - Lebenshilfe in allen Bereichen
Mit wenig Geld gesund essen
Dampf steigt auf - in einem Zimmer kommt er aus dem Kochtopf, im anderen Zimmer rauchen sprichwörtlich die Köpfe.
Im Lutherzentrum an der Flurstraße wird gelernt und gekocht. 24 Teilnehmer hat die Arbeitsgelegenheit der Dortmunder Tafel, die in dem evangelischen Gemeindezentrum untergebracht ist. "Haushaltsmanagement und gesunde Lebensführung" ist die ARGE-Maßnahme überschrieben. Vier Monate lang lernen hier Arbeitslosengeld-II-Empfänger, wie sie mit wenig Geld ihren Haushalt schmeißen und gesundes Essen zubereiten können. Dabei können sie ihre Hartz-IV-Bezüge mit einem Stundenlohn von 1,50 Euro aufstocken.
22 Frauen und 2 Männer werden theoretisch und praktisch unterrichtet. Eine Erzieherin kümmert sich um die mitgebrachten Kinder oder sie hilft bei pädagogischen Fragen. Seit drei Jahren gibt es das Projekt.
Die Teilnehmer sind in Gruppen eingeteilt. Zwei kochen: eine für alle Teilnehmer, die andere hilft in der Hauptstelle der Tafel aus. Der Rest bekommt theoretischen Unterricht. "Unser Ziel ist es, möglichst lebensnah zu sein", erklärt Projektleiterin Rita Gröber. Die Sozialpädagogin gibt Tipps bei Bewerbungen, macht mit den Teilnehmern Kommunikationstrainigs oder spricht mit ihnen über das richtige Verhalten in Konfliktsituationen. Den größten Teil des Praxisunterrichts bestreitet Hauswirtschafterin Bianca Steeger: Wie führe ich ein Haushaltsbuch? Wie kann ich Lebensmittel haltbar machen? Wie pflege ich meine Wäsche?
In der modern ausgestatteten Küche des Lutherzentrums regiert Koch Mario Hentschel: "Hygiene ist das Allerwichtigste", sagt er, sei die erste Lektion. Hände waschen, Handschuhe tragen - "wie in der Großküche".
Das Rezept heute: Spaghetti mit Champignonsoße, davor ein Gurken-Tomaten-Salat, Schokoladenmousse zum Nachtisch. Essen für mehr als 20 Personen - Kosten: nicht mehr als 25 Euro. "Das Rezept suchen die Teilnehmer selbst aus", sagt Hentschel. Auch einkaufen gehört zum Praxistraining - beim Discounter oder beim türkischen Gemüsehändler. "Dabei sollte man immer auf Angebote achten und darauf, was es in der Küche schon gibt", so Hentschel. Nicht jeden Tag einzukaufen, sondern sich zu bevorraten sei wichtig.
Gekocht wird mit frischen Zutaten. "Nicht mit Maggi-Tüten, wie ich es bislang immer gemacht habe", sagt Teilnehmerin Melissa Williams lachend. "Aber frisch schmeckt auch besser", findet sie. Was besonders gut gelingt, kommt auch zu Hause auf den Tisch. "Die Crêpes waren genau das Richtige für meinen Sohn", sagt sie.
"Meine Kinder fragen immer, was ich hier mache ", erzählt Yurdagül Cengiz. Die alleinerziehende Mutter hat schon einen Sprach- und einen Computerkurs von der ARGE zugewiesen bekommen. "In einer Küche zu arbeiten, kann ich mir gut vorstellen", sagt sie. Vor allem gefällt ihr die Arbeit, weil sie gern mit den anderen Teilnehmern zusammen ist. "Ich fühle mich hier wohl."
Darüber freut sich Leiterin Rita Gröber. "Wir achten sehr darauf, dass wir eine gute Atmosphäre haben." In der Maßnahme ginge es nicht um den Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt, sondern darum, die Teilnehmer wieder an einen Arbeitsalltag zu gewöhnen. "Einige, die hierherkommen, haben noch ganz andere Probleme", sagt Gröber. "Hier können sie darüber sprechen und wir versuchen, kompetente Hilfe zu finden."
In der Küche riecht es bereits gut. Gegessen wird zwischen 12 und 12.30 Uhr. Danach geht's ans Aufräumen. "Eigentlich ist nur eine Sache schade", findet Yurdagül Cengiz: "Dass die Maßnahme nur vier Monate lang ist."





